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Öffnungschance ab Juni

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Wann endlich können Corona-Fesseln wieder gekappt werden? Beim Stimme-Forum zur Pandemielage in Heilbronn und der Region stand am Freitag trotz aller Kritik am Ende die Zuversicht im Vordergrund. Der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel sieht den Juni als den Monat an, in dem „wir einen großen Schritt in die Normalität machen“ können. Den Mai werde man noch brauchen, um die Inzidenzwerte unter 100 zu drücken. Doch dann sieht Mergel Licht. Die Stadt werde mit einem 4,5 Millionen Euro schweren Sofortprogramm für die Innenstadt, für Handel, Gastronomie und Kultur den Neustart „finanziell kräftig unterstützen“.

Ist das die lang ersehnte Perspektive, die Einzelhändler, Gastronomie, Schulen, Wirtschaft und Bürger brauchen und herbeisehnen? In der Runde, moderiert von Stimme-Regionalchefin Tanja Ochs und Stellvertreter Alexander Hettich, legten einige den Finger in die Wunde.

Unzufriedenheit

IHK-Präsident Harald Unkelbach kritisierte, dass in Deutschland immer über zu wenig Impfstoff geklagt werde, aber offenbar niemand für zusätzliche Kapazitäten sorge. Deutschland liege weltweit auf Rang 30 beim Impf-Ranking. „Kann das der Anspruch von Deutschland sein?“ Er fordert, die Betriebe stärker in die Impfkampagne einzubeziehen. Dann könne man über Mitarbeiter auch an Familien kommen, die man sonst nur schwer erreiche, und insgesamt „einen großen Schub machen“. Unkelbach rechnet damit, dass 20 Prozent der Betriebe die Pandemie „nicht überleben“, wenn es noch länger so bleibe. „Man muss mehr impfen, dann lösen sich viele Probleme.“

Kitty Molnár, Centermanagerin der Stadtgalerie, sieht mit jeder weiteren Woche im Lockdown die Gefahr, dass Betriebe „nicht mehr auf die Beine kommen“. Fünf Händler in der Stadtgalerie hätten Insolvenz angemeldet, weitere fünf bis zehn sieht sie als stark gefährdet an.

Gastronom und Gartenlaube-Geschäftsführer Matthias Kern lebt mit dem Pandemiemanagement seit einem Jahr, ist insgesamt „sehr unzufrieden“, weil eine klare Öffnungsperspektive fehle. Mitarbeiter orientierten sich um. „Die Bürger und wir sind durch mit den Maßnahmen.“ Es führe zu einer Politikverdrossenheit, da auch das gesellschaftliche und soziale Leben Schaden nehme.

Professor Wolfgang Linhart, ärztlicher SLK-Direktor, ist wiederum der Politik „für alles dankbar, was die Infektionen reduziert“. Wenn man erst dann reagiere, wenn die Krankenhäuser „langsam voll sind, ist es immer zu spät“, betonte er. Klinikverbünde kämen an Grenzen. Eine dramatische Lage sieht er indes nicht (siehe Hintergrund). Auch Linhart ist zuversichtlich. Er erwartet in etwa zwei Wochen wieder sinkende Zahlen auf den Intensivstationen – und dass sich Covid durch breite Impfungen im Sommer dann „nur noch in einer kleinen Ecke der Krankenhäuser abspielt“.

Wie soll eine Wiederöffnung ablaufen? Lockerungen nur für Geimpfte und Besucher mit negativem Schnelltest? Für Gartenlaube-Geschäftsführer Matthias Kern ist das eine schlechte Lösung, weil es einerseits „ein Ausschluss von Menschen“ sei. Und andererseits brauche ein Wirtschaftsbetrieb Kunden. Komme nur die Hälfte, „dann legen wir auch drauf“. Dennoch glaubt Kern, dass „wir im Sommer wieder im Biergarten sitzen“. Der Druck auf Lockerungen nehme zu. Man solle sich aber nicht so verhalten, als wäre Corona dann vorbei, mahnt er. 

Familien entlasten

Auch Stadtgalerie-Managerin Kitty Molnár ist zuversichtlich, da es mit den Impfungen jetzt vorangehe. Sie überlegt, für die Kunden gleich im Einkaufscenter eine Schnellteststation anzubieten. Gespräche laufen.
IHK-Präsident Harald Unkelbach erwartet, dass es in der Wirtschaft „deutlich sichtbare Dellen“ geben wird. Aber: Der Export ziehe wieder an, Richtung Asien und USA. Er glaubt, dass die recht robuste Wirtschaft in der Region „relativ gut“ durch Krise kommen werde. Voraussetzung: Man müsse sich überlegen, was man im Herbst und Winter mache. „Corona ist noch nicht vorbei.“

Derweil stellt Oberbürgermeister Harry Mergel in Aussicht, im Sommer auch Familien deutlich zu entlasten. „Mit einem großen Angebot“ sollen Kinderfreizeiten in Heilbronn und Umgebung wieder stattfinden können. Hier sei man im Gespräch mit dem Sozialministerium. 

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