Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Reifeprüfung der besonderen Art

zurück zur Übersicht

Lea Zikeli ist eine von Zigtausenden in Baden-Württemberg – und am Dienstag kurz nach 14.45 Uhr einfach nur froh, dass Tag eins vorbei ist. Für die Schülerin des Hohenstaufen-Gymnasiums in Bad Wimpfen hat gestern mit dem Fach Deutsch die Abiturprüfung begonnen. Wie schon im vergangenen Jahr, so ist auch das Abitur 2021 eine Reifeprüfung unter besonderen Bedingungen.

Fast sechs Stunden lang ist Lea Zikeli mit einem knappen Dutzend Mitschülern und mit viel Abstand in der alten Halle des Hohenstaufen-Gymnasiums gesessen, die den Vorteil hat, dass zwei große Ventilatoren für einen dauerhaften Luftaustausch sorgen. Lea hat gelesen, nachgedacht, ihre Gedanken geordnet und sie auf acht Seiten zu Papier gebracht. „Ich habe mich für materialgestütztes Schreiben eines argumentierenden Textes entschieden“, sagt die 18-Jährige. Von allen Abi-Prüfungen liege ihr Deutsch am schwersten im Magen. Zum Glück fühlte sie sich gut vorbereitet, trotz Online-Unterricht vor allem am Ende. Marie Exner ergänzt: „Unser Lehrer war schnell, und der Austausch mit ihm via Teams hat gut funktioniert.“ Auch Paul Hetzel sagt: „Ich habe mich gut vorbereiten können.

Schnelltests

Anders als in den Jahren zuvor starten nicht mehr alle Schüler gleichzeitig ins Abitur. Zwar geht es nach wie vor mit Deutsch los. Aber weil die Abiturverordnung – unabhängig von Corona – geändert wurde, muss nicht mehr zwingend eine schriftliche Prüfung in Deutsch abgelegt werden. In Bad Wimpfen haben 13 von 61 Abiturienten am Dienstag ihren ersten Stresstest. Fast alle 13 haben sich tags zuvor schnelltesten lassen. Es ist ein freiwilliges Angebot für die Abiturienten, das zu machen die Gymnasien verpflichtet wurden. Getestete und ungetestete Schüler schreiben ihre Prüfung getrennt voneinander. „Jedes Jahr läuft das Abitur ein bisschen anders. Aber die Tatsache, dass wir Testungen machen, zwei Räumlichkeiten und also auch zwei Aufsichten stellen müssen, macht die Organisation etwas schwieriger“, sagt Schulleiter Josef Knoblauch.

Von den 77 Abiturienten am Hartmanni-Gymnasium in Eppingen schreiben 37 Deutsch-Abi. „Wir haben jeweils neun Schüler in einem Raum untergebracht“, sagt Schulleiter Ulrich Müller. Platztechnisch sei das kein großes Problem, denn die Schule ist ja weitgehend leer. Nur genügend Lehrer müssen vor Ort sein. „Wir brauchen sieben als Aufsicht und sieben als Springer“, berichtet Müller. Denn es gibt die Möglichkeit der Masken-Verschnaufpause – eine kurze Auszeit, allerdings mit Geleitschutz. Was ist noch anders? Die Prüflinge haben eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich. Außerdem können die Lehrer unter mehr Aufgaben eine Vorauswahl treffen. So soll gewährleistet sein, dass die Prüfungsaufgaben bestmöglich zum erteilten Unterricht passen.

Am Sonntag um 17 Uhr hatte das Eppinger Gymnasium seine Deutsch-Abiturienten zum Schnelltest geladen. Anders als in Wimpfen sind in Eppingen „erstaunlich wenige gekommen“, sagt Oberstudiendirektor Müller. Für den Fall eines positiven Ergebnisses sei mit der Kinder- und Jugendärztin vor Ort vereinbart worden, dass sie den Befund durch einen PCR-Test absichert. Doch die Aussicht auf ein nervenaufreibendes Prozedere in einer ohnehin angespannten Situation habe viele vom Schnelltest abgehalten, vermutet Müller. Außerdem seien die Abiturienten zuletzt ohnehin „quasi in Quarantäne“ gewesen: Es gab nur noch Online-Unterricht.

Auch am Beilsteiner Herzog-Christoph-Gymnasium haben nur fünf von 30 Deutsch-Prüflingen das Test-Angebot der Schule genutzt, weiß deren kommissarische Leiterin Dorit Zähringer. Anders am Neckarsulmer Albert-Schweitzer-Gymnasium. Dort haben sich alle vorab testen lassen. Für Dorit Zähringer ist es das erste Abitur, für dessen Ablauf sie verantwortlich ist. „Klar, eine gewisse Anspannung ist da“, sagt sie. Es sei bisweilen kompliziert gewesen, die Prüfung vorzubereiten, weil es häufig Änderungen gab. „Man musste kurzfristig nachsteuern.“

Ist die Deutsch-Prüfung einfacher als in den Vorjahren – eine Art Corona-Kulanz? Keineswegs, sagt Josef Knoblauch vom Hohenstaufen-Gymnasium. „Es sind anspruchsvolle Aufgaben.“ Ohnehin ist Knoblauch überzeugt: Durch die neue Abiturverordnung sei der Abschluss schwieriger geworden. Ulrich Müller vom Gymnasium in Eppingen findet: Wer das Abitur 2021 in der Tasche hat, darf stolz sein. „Was es heißt, sich Dinge selbstständig zu erarbeiten und Verantwortung für sein Lernen zu übernehmen“, das wisse dieser Jahrgang sehr genau. „Das Siegel Reifeprüfung haben sich die Schüler, die sich gut vorbereitet haben, wirklich verdient.“

Glücklich

Jetzt erstmal eine Runde Schokolade. Dann steht Vorbereiten auf die Prüfung heute an. So ist der Plan von Anthony Körner (19), Josua Stuber (20) und Jan Schickert (19), die kurz nach 13 Uhr die Aula am Technischen Gymnasium Öhringen verlassen. Glücklich, den ersten Teil hinter sich gebracht zu haben. Und geschafft, weil doch reichlich Anspannung abgefallen ist. Mit den zur Wahl stehenden Themen sind sie zufrieden. Das Literaturthema – „Faust“ – haben sie gleich zur Seite gelegt, auch wenn die Stelle laut ihrer Lehrerin die einfachste war. Jan und Anthony haben den Essay zum Thema Umwelt gewählt. Josua die Texterörterung zu Konsum.

Daten und Fakten

Von den 46 300 Abiturienten in Baden-Württemberg absolvieren knapp 30 000 ihre Reifeprüfung an einem allgemeinbildenden Gymnasium. Im Hohenlohekreis sind es 235 Schüler, im Landkreis Heilbronn 728 und in der Stadt Heilbronn 443 Schüler. An den beruflichen Gymnasien machen in Hohenlohe 226 Schüler ihren Abschluss, im Landkreis Heilbronn sind es 164 und in Heilbronn 318 Schüler, die nun das Abitur schreiben. 

Wie Schüler das Corona-Abitur erleben, liest du hier

Galerien

Regionale Events