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Testzentrum

Schnelltests für alle

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Sie sind so etwas wie das goldene Ticket in die Freiheit. Wer weder vollständig geimpft noch genesen ist, der braucht dieser Tage einen Corona-Schnelltest, um zum Friseur, ins Restaurant oder ins Freibad zu kommen. Bis vor einer Woche mussten Neudenauer für dieses Ticket in eine andere Stadt fahren, doch seit Donnerstag betreibt Attila Karatas ein Testzentrum im Kultursaal der Sturmfederhalle. Nicht um Geld zu verdienen, sondern einfach fürs Gemeinwohl. Karatas Mutter Ayse Karatas betreibt einen Friseursalon in Neudenau. Die haben seit einigen Wochen geöffnet, und die Testpflicht gilt dementsprechend schon länger. „Es war relativ wenig los bei ihr, weil es doch eine große Hürde für die Menschen war“, erzählt der 24-Jährige, der im zweiten Semester Wirtschaftspsychologie studiert.

Alle profitieren

Also stellt sich die Familie die Frage, was sie tun kann, weil es in Neudenau kein entsprechendes Angebot gibt. Fahrten nach Möckmühl oder Neckarsulm machen einen Friseurbesuch doch sehr aufwendig. „Zuerst wollten wir es nur im Laden für die eigene Kundschaft anbieten, aber es gibt ja noch mehr Salons und auch Gaststätten, daher der Gedanke, es größer aufzuziehen, damit alle Betriebe in der Stadt und der Umgebung davon profitieren können.“ Die Recherche beginnt. Zunächst das Wichtigste: Attila Karitas findet heraus, dass er auch als Nichtmediziner oder -apotheker ein Testzentrum aufbauen kann. Der junge Mann stürzt sich mit Hingabe in die ganzen Vorschriften und Gesetzestexte. Das Gesundheitsamt hilft dem 24-Jährigen weiter, gibt Hinweise, was er alles beachten muss. „Wir sind die ganzen Paragrafen zusammen durchgegangen, eigentlich müsste ich die Frau zum Essen einladen“, meint Karatas schmunzelnd. Um etwas flexibler zu sein, absolvieren Vater, Mutter und Sohn Karatas den Kurs, um den entsprechenden Sachkundenachweis zu bekommen.


Fehlt noch ein passender Raum. Zuerst fragt Attila Karatas beim Modegeschäft Viktor Brechter nach, dort erhält er den Tipp, mal beim Bürgermeister zu fragen. Manfred Hebeiß zeigt sich begeistert, dass sich in Neudenau jemand des Themas annimmt, und stellt ihm den Kultursaal der Sturmfederhalle zur Verfügung. Hier haben die Karatasjede Menge Platz und investieren: in vier Plexiglasscheiben, die derzeit rar auf dem Markt sind und für die Attila extra hinter Stuttgart fährt; in die Tests und natürlich in die Schutzausrüstung. Drucker und Laptop nimmt er einfach von zu Hause mit. Praktisch, denn wenn nichts los ist, lernt Attila Karatas für die Uni.

Manuelles System

Der 24-Jährige ist entweder allein oder mit seinem Vater vor Ort. Gleich am ersten Vormittag kommen 15 Leute, darunter auch Vertriebler, die den Test bei ihren Kunden vorlegen wollen. Der Student hat sich für ein manuelles System entschieden. Das heißt, den Menschen wird an einer der beiden Teststationen ein Abstrich genommen, dann müssen sie zehn bis 15 Minuten draußen warten und bekommen ihr Ergebnis schriftlich in die Hand gedrückt. „So hat man das Ergebnis gleich, das ist ja vor allem wichtig, wenn es positiv ist.“ Außerdem laufe ja auch nicht jeder mit Smartphone durch die Gegend. Wie lange Karatas sein Testzentrum betreiben wird, hängt von der Situation ab. „Wenn die Testpflicht bleibt, will ich den Leuten ein angenehmes Leben ermöglichen, wenn nicht, dann ist es auch gut und das Ziel erreicht, und wir packen zusammen.“

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