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So verteilen sich Infektionen über die Stadtteile

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Mehrere Städte haben zuletzt Corona-Neuinfektionen auf Stadtteilebene untersucht und einen Zusammenhang mit sozialen Faktoren festgestellt. In Heilbronn, so betont die Verwaltung, gebe es keine Hotspots, vielmehr verteile sich das Geschehen über die ganze Stadt. Das wird nun mit Zahlen belegt. 

Statistik

Auf Stimme -Nachfrage hat die Stadt aufgeschlüsselt, wie sich die aktiven Corona-Fälle über das Stadtgebiet verteilen. Diese Zahl, die auch der Landkreis Heilbronn auf Gemeindeebene veröffentlicht, berechnet sich so: Von allen bis zu einem Stichtag positiv Getesteten werden die Genesenen und die Verstorbenen abgezogen. So gab es Stand Dienstag dieser Woche in Heilbronn 724 Corona-Fälle. Für Betroffene und bekannte Kontaktpersonen hat das Gesundheitsamt Quarantäne angeordnet. 
Auf den ersten Blick fällt auf: Der Prozentsatz der einzelnen Stadtteile an den Gesamtfallzahlen entspricht in den meisten Fällen dem Bevölkerungsanteil. So wohnen etwa vier Prozent der Heilbronner in Biberach, rund vier Prozent der bekannten Corona-Infizierten leben dort. So ist das bei sechs der neun Stadtteile. Die Zahl der Infizierten pro 1000 Einwohner liegt dort zwischen fünf und sieben, während das Mittel in der Gesamtstadt 5,6 ist. Etwas aus dem Rahmen fallen Kirchhausen und Klingenberg mit besseren und Horkheim mit einem etwas schlechteren Wert. Wegen der geringen absoluten Fallzahlen kann man das aber kaum als echte Ausreißer bezeichnen.

Kernstadt

Nun lebt fast die Hälfte der Heilbronner in der Kernstadt, die auch die Hälfte der Infektionszahlen aufweist, aber kein homogenes Quartier ist. Doch auch innerhalb der Kernstadt ist die Verteilung verblüffend gleichmäßig. Das zeigt eine Karte mit aktuellen Fällen. Unsere Redaktion hatte Gelegenheit, sie einzusehen. Die Stadt veröffentlicht sie aus Datenschutzgründen nicht, weil unter Umständen konkrete Fälle lokalisierbar wären. 

„Wir haben keine Auffälligkeiten“, betont OB Harry Mergel mit Blick auf die Verteilung über die Stadtteile. Trotzdem zeige sich auch in Heilbronn, dass Gegenden mit Mehrfamilienhäusern eher betroffen seien. „Dort, wo Menschen eng zusammenleben, gibt es mehr Infizierte.“

Mannheim

Zuletzt war Mannheim dazu übergegangen, Corona-Zahlen auf Stadtteilebene zu veröffentlichen. Dabei schwankten die Werte zwischen den Quartieren, und es zeigten sich Zusammenhänge, auf die auch wissenschaftliche Studien hinweisen: In sozial benachteiligten Quartieren ist das Risiko, sich mit Corona zu infizieren, höher.  Auch Stuttgart hat dieser Tage eine solche Analyse vorgestellt.

Fazit der Landeshauptstadt: Strukturschwache Stadtviertel sind überproportional betroffen. „Wo Menschen auf wenig Raum zusammenleben oder es keine Möglichkeit für Homeoffice gibt, besteht ein höheres Infektionsrisiko“, heißt es in einer Mitteilung. Stuttgart will mit gezielter Aufklärung reagieren. Mannheim geht einen Schritt weiter und hat nach Kölner Vorbild ein mobiles Impfteam in einen besonders betroffenen Stadtteil geschickt. Dort werden die Bewohner in Absprache mit dem Land auch außerhalb der offiziellen Reihenfolge geimpft. Für das Sozialministerium könnte das eine „Blaupause“ für ähnliche Aktionen in anderen Städten sein.

Unterschiede

„Wir sehen in Heilbronn keinen Ansatz dafür“, sagt Bürgermeisterin Agnes Christner, die unter anderem für die lokale Impfallianz verantwortlich zeichnet. OB Mergel sieht keine sozialen Brennpunkte in Heilbronn – für ihn ein Resultat politischer Entscheidungen in den 90er Jahren. „Da wurde dafür gesorgt, dass es keine Ballung von Problemgebieten gibt.“ 

Heilbronn ist einer der Kreise mit der landesweit höchsten Inzidenz, liegt aber nicht mehr einsam an der Spitze, wie das zwischenzeitlich der Fall war. Rund 8000 Fälle wurden hier seit Anfang der Pandemie verzeichnet, das ist in Relation zur Einwohnerzahl der höchste Wert aller 44 Stadt- und Landkreise.

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