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Unterdurchschnittliche Impfquote in Heilbronn

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Erstmals hat das Land Impfquoten für die Bevölkerung auf Kreisebene veröffentlicht. Die Stadt Heilbronn, die bei der Auswertung relativ schlecht wegkommt, hält die Statistik für wenig aussagekräftig. Wir erläutern, was die Zahlen bedeuten – und was nicht. 

Was bedeutet Impfquote auf Kreisebene?

Wer sich gegen Covid-19 impfen lässt, registriert sich mit seiner Postleitzahl. Anhand dieser hat das Sozialministerium alle Geimpften dem Stadt- oder Landkreis zugeordnet, in dem sie gemeldet sind. Die Summe wird ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung des jeweiligen Kreises gesetzt. So ergibt sich, welcher Anteil der Kreisbevölkerung bereits geimpft ist.

Was ist nicht erfasst?

Die Impfungen, die in Arztpraxen vorgenommen werden, sind in der Statistik nicht erfasst – nur jene, die in Kreisimpfzentren oder durch mobile Teams, etwa in Pflegeheimen, durchgeführt wurden.

Was kam dabei heraus?

Zunächst einmal, dass die Unterschiede zwischen den Kreisen groß sind. Der Anteil der Erstgeimpften liegt in Pforzheim bei 11,9, im Landkreis Emmendingen bei 30,7 Prozent (siehe Grafik). Landkreis Heilbronn und Hohenlohekreis erreichen bei Erst- und Zweitimpfungen mittlere Werte. Der Landesdurchschnitt liegt bei knapp 22 Prozent der Einwohner, die einmal geimpft sind. Das Robert-Koch-Institut weist für Baden-Württemberg aber aus, dass bereits 29 Prozent der Menschen geimpft sind. Hier wird deutlich, wie groß die Verzerrung ist, weil in der aktuellen Statistik des Ministeriums die Arztpraxen fehlen.

Sagt die Statistik etwas darüber aus, ob ein Kreisimpfzentrum (KIZ) besser arbeitet als andere?

Nein. Wo sich jemand hat impfen lassen, spielt bei dieser Erhebung keine Rolle. Ist etwa ein Heilbronner zur Impfung nach Hohenlohe gefahren, wird er in der Quote des Stadtkreises erfasst.

Was sagt die Stadt Heilbronn zu den Zahlen?

„Die Statistik spiegelt nicht das reale Bild wider“, kritisiert Heilbronns OB Harry Mergel. Nach Überzeugung der Stadt lässt sich aus den Daten nicht schließen, dass die Heilbronner Impfbereitschaft unterdurchschnittlich ist. Ein Punkt: Heilbronns Bevölkerung ist im Landesvergleich relativ jung. Bislang waren vor allem Ältere impfberechtigt. Außerdem habe das KIZ mit der ihm zugeteilten Menge auch Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Polizei oder SLK-Mitarbeiter geimpft. Außerdem schlage die Nichtberücksichtigung der Praxen hier besonders zu Buche. Die Ärztedichte ist in einer Großstadt höher, entsprechend auch ihre Bedeutung für die Impfkampagne.

Wie läuft es im KIZ Horkheim?

Im KIZ Horkheim wurden laut Bürgermeisterin Agnes Christner rund 40 000 Impfungen verabreicht, darunter 60 Prozent an Menschen, die nicht in der Stadt wohnen.

Wie will die Stadt die Impfkampagne unterstützen?

Heilbronn setzt dabei auf eine „lokale Impfallianz“. In diesem Dreierbündnis aus Hausärzten, Betrieben und dem Kreisimpfzentrum (KIZ), schreibt die Stadt, kommt „den Hausärzten aufgrund des engen und oft langjährigen Vertrauensverhältnisses zu ihren Patienten eine besondere Rolle zu“. Mit Betrieben und Betriebsärzten will die Stadt kooperieren und das Kreisimpfzentrum in Horkheim zur Verfügung stellen. Dort könnten Unternehmen ihre Belegschaft auch spätabends oder nachts impfen lassen. Das Zentrum sei grundsätzlich auf einen 24-Stunden-Betrieb eingestellt, unterstreicht Bürgermeisterin Christner. „Zusammen können wir in den kommenden Wochen viel erreichen und damit den Menschen den Weg zurück in die Normalität ebnen“, ist OB Mergel sicher – vorausgesetzt Bund und Land stellten ausreichend Impfstoff bereit. Hier erwartet die Stadt aber weiter einen Engpass, die Kapazitäten des Impfzentrums würden wohl in den kommenden Tagen und Wochen wegen fehlenden Impfstoffs kaum ausgereizt. 

Warum präsentiert das Land gerade jetzt Impfquoten auf Ebene der Landkreise?

Zeitgleich mit der Veröffentlichung macht Mannheim mit einem Pilotprojekt Schlagzeilen. Dort wird gezielt in einem sozial benachteiligten Stadtquartier geimpft – außerhalb der offiziellen Reihenfolge. Für das Land ist das eine „Blaupause“, die Notwendigkeit für solche Aktionen werde dadurch unterstrichen, dass die Impfquoten so unterschiedlich sind. „Die Corona-Impfkampagne erreicht manche Teile der Bevölkerung noch nicht ausreichend, das betrifft vor allem Stadtteile mit besonderen sozialen Herausforderungen“, sagt Uwe Lahl, Amtschef im Ministerium.

Wer an der Reihe ist

Die Liste der impfberechtigten Personen in Baden-Württemberg ist mittlerweile sehr umfangreich und kann online eingesehen werden. Seit 19. April ist die Terminvergabe
für alle über 60-Jährigen geöffnet. Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen, Betreuungspersonal, Einsatzkräfte oder Angehörige Pflegebedürftiger und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gehören zum Kreis der Berechtigten, der Mitte Mai erweitert werden soll. Die Landesregierung hat angekündigt, dass dann auch Beschäftigte des Lebensmitteleinzelhandels oder bestimmte Mitarbeiter der „Kritischen Infrastruktur“, etwa Energie, Transport oder Pharma zum Zug kommen. Termine werden zentral vergeben über impfterminservice.de oder die 116117

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