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Talmarkt wird erneut abgesagt

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Mit der knapp gehaltenen Mitteilung von Bürgermeister Claus Brechter ist es nun offiziell: Trotz monatelanger Vorplanung wird es auch 2021 keinen Talmarkt geben. „Angesichts der hohen Infektionszahlen sowie der sich abzeichnenden Impfgeschwindigkeit kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich eine Großveranstaltung wie der Talmarkt mit den erforderlichen Hygienevorgaben bei den gegebenen Örtlichkeiten durchführen lässt“, teilte er den Mitgliedern des Technischen Ausschusses mit.

So nüchtern die offizielle Mitteilung ist, umso deutlicher wird der Rathauschef auf Nachfrage: „Eine Katastrophe. Es ist das Wimpfener Fest“, sagt er zum „großen Gemeinschaftsgefühl und Miteinander“ während der sechs Markttage. „Die Entscheidung bedauern wir sehr, sehen aber aufgrund der aktuellen Infektionsentwicklung keine andere Möglichkeit.“ Eine verlässliche Planung und ein sicheres Konzept seien nicht umsetzbar. Abgesehen davon würde es nicht zum Charakter eines Volksfests passen.

Tränen

Noch gravierender sei die Absage für die Schausteller und Händler, die in oft jahrzehntelanger Verbindung zu einer „großen Familie“ geworden seien: „Hier geht es um Existenzen.“ Eine Auffassung, die Marktmeister Jochen Großkopf angesichts des zweiten Jahrs ohne Veranstaltungen bestätigt. „Am Telefon hört man bei einigen, wie die Tränen aufsteigen.“ Seit September hat er den Talmarkt in der Hoffnung auf eine bessere Lage geplant. Viele treue und auch einige neue Schausteller hätten ihr Kommen zugesagt. 

Ausfall statt Countdown, aus dem „tollen neuen Riesenrad“ wird nichts, und auch Jochen Klenk wird nicht mit Rum, Cocktails und Tabak auf dem Lindenplatz vertreten sein. „Das war zu vermuten“, zeigt der Inhaber des Bad Wimpfener Zigarrenhauses in der Rappenauer Straße Verständnis für die Entscheidung der Stadt, obwohl er in der dritten Generation beim Talmarkt mitgemischt und schon Opa August in den 1940er Jahren „Tabakwaren und Stumpen“ verkauft hat. Sein Ladengeschäft hat seit Dezember 2020 geschlossen. „Das gab es noch nicht mal zu Kriegszeiten“, merkt er an. Nur der Onlineverkauf läuft, fünf Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Corona müsse man wie eine höhere Gewalt hinnehmen. Auch in Sachen Talmarkt, bei dem er prompt ein bisschen ins Schwärmen gerät: „Wenn man in der Stadt die Zuckerwatte riecht, weiß man, wohin man marschieren muss.“
So sieht es auch Gabriele Kellhammer, Wimpfener Stadträtin und Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins. Der Talmarkt ist bei ihr sonst als geselliger Treffpunkt mit Betriebsangehörigen, Freunden und Familie eingeplant, „von Kind an kennt man es nicht anders“. Die Absage ist für sie angesichts der Größe der Veranstaltung, die wiederum für den Umsatz der Händler unabdingbar sei, „absolut nachvollziehbar“.

Alternative

„Bedauerlich, aber nicht zu ändern“, findet auch Festwirt Otto Gollerthan trotz insgesamt coronabedingt massiver Einbrüche. Der Talmarkt gehört für ihn seit 36 Jahren fest zum Programm. Zu normalen Zeiten hätte er Platz für 1200 Gäste. 2020 hat er als spontane Alternative „Hähnchen to go“ angeboten. 
Ein Talmarkt mit Maskenpflicht und Abstandsregeln wäre für Jochen Klenk ganz klar eine „Horrorvorstellung“. Einem „Armutszeugnis“ käme es gleich, ihn durch eine abgespeckte Veranstaltung ersetzen zu wollen. Dann lieber: „Augen zu und durch, damit wir den Talmarkt im nächsten Jahr zu 100 Prozent erleben können.“
So war es früher, doch feiern im dichten Gedränge ist derzeit tabu. Coronabedingt wird der Talmarkt daher auch in diesem Jahr abgesagt.

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