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Unterricht im Freien?

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Die Bildungslandschaft in der Region erlebt gerade eine Spaltung: Weil sich im Landkreis Heilbronn die Inzidenz in Richtung des 165er Grenzwerts zubewegt, beginnen Schulen mittlerweile mit den Planungen des Wechselunterrichts, der unterhalb des Schwellenwerts möglich ist. Anders ist die Lage in Heilbronn mit höheren Werten. In der Stadt hat sich der Gesamtelternbeirat mittlerweile Unterstützung im Gemeinderat geholt. Die SPD-Fraktion will, dass sich Heilbronn beim Land für ein Modellversuch stark macht. Es geht um Unterricht im Freien, auch bei hoher Inzidenz, was derzeit nicht erlaubt ist. 

Soziale Komponente

„Wir wollen Präsenzunterricht ermöglichen“, sagt Christoph Eberlein, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats in Heilbronn sowie SPD-Mitglied. Er denkt beispielsweise an die Mittelstufe, die seit Dezember nicht mehr an die Schulen darf – außer zu Klassenarbeiten. „Es ist wichtig, dass die Jugendlichen sich mal wieder im Klassenverband sehen“, sagt Christoph Eberlein. Und zwar in Präsenz, nicht nur digital. Diese soziale Komponente sei wichtig. Derzeit bewege sich nichts, sagt er enttäuscht. Das soll sich ändern, denn die Folgen sind gravierend. „Wir verlieren Kinder“, weiß der Elternvertreter. 

Die Idee hat Christoph Eberlein zusammen mit der stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Tanja Sagasser-Beil entwickelt, nachdem sie in den Nachrichten vom Unterricht in Spanien gehört haben. Dort kommen Kinder zum Unterricht an Strände. Für Heilbronn ist vieles denkbar, auf den Schulhöfen, in Parks.

In der öffentlichen Wahrnehmung werde über viele Modelle gesprochen, sagt Tanja Sagasser-Beil. Die Gastronomie, den Einzelhandel: „Aber Kinder fallen hinten runter“, macht sie sich für ihren Antrag stark. „Man muss überlegen, welche kreativen Ideen es gibt.“ Deutlich wird: Zwar geht es den Initiatoren auch um regelmäßige Treffen, aber sie können sich im Freien Unterricht vorstellen. Physik oder Chemie ist nicht möglich, aber für Christoph Eberlein ist Deutsch, Mathe oder Geschichte denkbar. Für den Elternsprecher muss es nicht der ganze Klassenverband sein, auch Wechselunterricht mit halben Klassen ist denkbar. Unterstützung kommt aus dem Rathaus. „Die Stadt ist für alle Lösungen dankbar, die eine baldige Rückkehr zum Präsenzunterricht ermöglichen, und greift den Vorschlag, sich beim Land für die Realisierung einzusetzen und mit den Schulen die Umsetzung anzugehen, gerne auf“, so Bürgermeisterin Agnes Christner. Ob es so kommt, ist offen. Das Land hat das letzte Worte.

Lob

Die Idee kommt außerorts gut an, beispielsweise bei Claudia Kaufmann, Elternbeiratsvorsitzende der Schule in Gemmingen. Um das „soziale Gefüge“ herzustellen, müsste es Präsenzunterricht geben – „egal wo“; also auch in großen Turnhallen mit geöffneten Türen. Harald Schröder, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagt: Sich im Freien zu treffen wäre gut, um Kontakte zu Schülern zu halten. Es gebe weder Tafel noch Beamer, Unterricht dürfte also nur schwer möglich sein. Ohnehin sei man mittlerweile davon abgekommen, dass die Kinder nur still sitzen, während der Lehrer doziert. 

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