Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Mehr Lohn für Pflegekräfte

zurück zur Übersicht
Schon kurz vor 9 Uhr sammeln sich die ersten Menschen bei Nieselregen auf dem großen Platz neben der Heilbronner Harmonie. Zwei ASB-Rettungsfahrzeuge sind bereits vorgefahren, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat ihren Stand aufgebaut. Fahnen, Transparente, Luftballons und Regenjacken werden verteilt, genauso wie Butterbrezeln und Wasserflaschen. „Wir sind es wert“, steht neben dem roten Verdi-Logo in großen Lettern auf vielen Regencapes, die sich die Gewerkschaftsmitglieder übergezogen haben.
 
„Gerade die Pandemie hat noch einmal verdeutlicht, dass gerade das Gesundheitswesen einen grundsätzlichen Aufwertungsbedarf hat“, macht der stellvertretende Bezirksgeschäftsführer des Verdi-Bezirks Heilbronn-Neckar-Franken, Arne Gailing, klar. Vor allem medizinisches Personal und Pflegekräfte sind daher auch vor die Harmonie gezogen, um ihren Lohnforderungen Nachdruck zu verleihen. Die Aktion in Heilbronn ist Teil zahlreicher bundesweiter Warnstreiks, mit denen die Gewerkschaft Verdi am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber in den Ländern vor der dritten Runde in den laufenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst erhöht. Verdi ist vor allem darüber verärgert, dass die Arbeitgeber bisher kein Angebote vorgelegt haben und nicht über die geforderten Sonderkonditionen im Gesundheitsbereich sprechen wollen. Fünf Prozent mehr Gehalt oder mindestens 150 Euro für untere Lohnbereiche, sowie 300 Euro für die Beschäftigten in der Pflege und im Gesundheitswesen fordert die Gewerkschaft.

Zeichen setzen

Vor der Harmonie stehen auch viele junge Gewerkschaftsmitglieder. „Wir müssen schließlich etwas tun, nur
so kann man ein Zeichen setzen“, begründet der 18-jährige Kai, Azubi am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Weinsberg, seinen Einsatz. „Jetzt ist die richtige Zeit, um mehr Geld zu fordern“, ergänzt Kollege Marcel. „Für mehr Cäsh in the Länd“, lautet dann auch das Motto, als sich der Demonstrationszug kurz nach 10 Uhr mit rund 200 Menschen auf den Weg durch die Stadt macht. Das Motto ist mit Blick auf die neue umstrittene Werbekampagne „The Länd“ gewählt, die sich die baden-württembergische Landesregierung 21 Millionen Euro kosten lässt.
 
Vorwürfe, dass gerade viele Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen mitten in der vierten Corona-Welle streiken, während die Intensivstationen in den Krankenhäusern überlastet seien, lassen die Gewerkschafter und Streikenden nicht gelten. „Dann könnte man nie streiken und es ist gerade jetzt wichtig, auf uns aufmerksam zu machen, wenn wir was erreichen wollen“, betont Bärbel Carle aus Niederstetten. Sie arbeitet in der ZfP-Außenstelle in Schwäbisch-Hall.
 
„Unser Streik ist die klare Antwort auf das Verhalten der Arbeitgeber“, unterstreicht Irene Gölz in ihrer Rede, nachdem der Demonstrationszug wieder vor der Harmonie angekommen ist. Die baden-württembergische Fachbereichsleiterin für Gesundheit und Soziales bei der Gewerkschaft Verdi blickt auf die seit 20 Monaten andauernde Corona-Pandemie, in der gerade die Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen am meisten gelitten hätten. Gölz spricht von einer „unglaublichen Arroganz der öffentlichen Arbeitgeber“ und verweist zudem auf die wieder wachsenden Steuereinnahmen im Land. „Sie verhandeln derzeit mit uns wie Lohndrücker aus einer privaten Dumpingbranche“, lautet der Vorwurf der Gewerkschaftsfunktionärin.

Nächste Veranstaltung

„In der nächsten Woche sind wir wieder hier und dann werden wir mehr sein“, verspricht Gölz am Ende ihrer Rede. „Richtet euch schon mal auf den kommenden Freitag als Streiktag ein“, präzisiert Arne Gailing als er die Kundgebung beendet. Die dritte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst soll einen Tag später am 27. November beginnen.
 
 

Galerien

Regionale Events

Digitale Azubimesse

Mehr als 50 Unternehmen stellen von 14. bis 20. Februar 2022 ihr Aus- und Weiterbildungsangebot digital vor.

Neuer Impfpunkt

Die Stadt Heilbronn ergänzt ihr Impfangebot um die Harmonie.