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Armin bringt neuen Schwung ins Gasthaus Linde

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Armin Bissinger will nicht in den Tenor derer einstimmen, die von der Gastronomie als "hartem Brot" sprechen. "Koch ist so ein vielfältiger Beruf", sagt der 26-Jährige aus Weldingsfelden. Und: "Ich darf jeden Tag Menschen eine Freude mit dem Essen machen." Der gelernte Koch hat an der Hotelfachschule Heidelberg die Prüfung zum Küchenmeister bestanden und führt jetzt als Küchenchef das Gasthaus Linde, in dem bislang seine Mutter Eva-Maria für die Küche verantwortlich war, während sein Vater Peter sich auch weiter um den Service kümmert. "Unsere Aufgabe ist jetzt, ihn machen zu lassen", sagt Eva-Maria Bissinger.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Damit hat die Linde in Weldingsfelden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. "Köche verzweifelt gesucht" war kürzlich ein Beitrag des Deutschlandfunks betitelt, der einen dramatischen Fachkräftemangel im Gastronomiesektor aufzeigte. Und schon 2019 hatte der "Report zur Unternehmensnachfolge" des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) berichtet, dass gerade im ländlichen Raum Hotels und Gaststätten vor einer besonders schwierigen Suche nach einem Unternehmensnachfolger stehen - auch deshalb, weil die Arbeitsbelastung häufig hoch und die Work-Life-Balance herausfordernd sei. "Wir sind wirklich froh, dass wir unseren eigenen Küchenmeister haben", unterstreicht Eva-Maria Bissinger. So sei die Linde auch in Zukunft "für gutes Essen, Gastfreundschaft und Leidenschaft zum Beruf" gerüstet und könne fortbestehen.

"Für mich war schon in der vierten Klasse klar: Ich werde Koch oder Kaufmann", sagt Armin Bissinger, der von Kindesbeinen an gern in der Küche mitgeholfen hat. Und noch während der Ausbildung habe er gemerkt, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat. Dabei hat er spannende Lehr- und Wanderjahre hinter sich, war seit 2016 immer für mehrere Monate in Hotels und Restaurants in Ludwigsburg und Scharbeutz an der Ostsee, aber auch in den Ski-Hochburgen Ischgl und Sölden tätig.

"Jede Station hat ihre Besonderheiten gehabt", blickt der junge Mann zurück. Beispielsweise in Ischgl, im ersten Haus am Platz, bei einem Küchenchef, der nach seinen Worten zu den Top sieben in Österreich zählt. "Wir waren über 30 Köche, da konnte ich viel lernen." Zum Fachlichen kam die Lebenserfahrung, und das "in einem der schönsten Skigebiete der Welt".

Mit der Gondel auf 3000 Meter

Dem Skifahren hat sich Bissinger schon vorher in Sölden genähert. In 3000 Metern Höhe durfte er dort kochen, wo 2015 spektakuläre Szenen des James-Bond-Films "Spectre" gedreht worden sind. "Das war wirklich gigantisch, jeden Morgen ging es mit der Gondel hoch", erinnert er sich gerne. Dort habe ihn dann bei aller Arbeit auch der Ehrgeiz gepackt, Skifahren zu lernen.

Und natürlich hat er aus Österreich wie von all seinen Stationen auch jede Menge Kulinarisches mitgebracht. An den Kaspressknödeln, einer Tiroler Spezialität, hat er sich jetzt gerade zum ersten Mal für die Gäste der Linde versucht. Die gibt es nun als Beilage zu seinem Lieblingsgericht, dem Rehrücken, rosa gebraten. "Das beste Fleisch", schwärmt Armin Bissinger vom Wild vor der Haustür, dazu eine schöne kräftige Soße und im Herbst und Winter statt mit Semmelknödeln dann eben mit den Kaspressknödeln serviert.

"Der Gast nimmt sehr gern neue Ideen an", sagt seine Mutter. Vom "Spagat zwischen gut-bürgerlich und dem, was ich gelernt habe", spricht ihr Sohn. Sein Ziel: "In den nächsten fünf bis zehn Jahren will ich meinen eigenen Küchenstil prägen": eine regionale Hohenloher Küche mit modernen Einflüssen. Das bedeutet nicht, dass "Renner" wie das panierte Schnitzel von der Speisekarte verbannt werden, trotzdem wird beispielsweise schon jetzt mit der sonntäglichen "Küchenempfehlung" immer wieder Neues ausprobiert, das auch gut ankommt.

"Der Rückhalt der Familie ist viel wert", sagt Armin Bissinger und lobt auch alle Mitarbeiter des Betriebs. Seine Mutter sagt: "Der neue Schwung mit ihm als jungem Koch tut uns nach 30 Jahren gut."

Das Gasthaus

Die Linde in Weldingsfelden besteht seit dem 19. Jahrhundert. Seit Eva-Maria und Peter Bissinger die Gaststätte von den Eltern des Ehemanns, Irmgard und Josef Bissinger, übernommen haben, wurde kräftig erweitert: um 13 Fremdenzimmer mit 19 Betten und um einen Biergarten, dazu wurde der große Parkplatz neben dem Haus gebaut. Auch Catering wird angeboten und man hat sich dem Pfandsystem "Hohenlohe to go" angeschlossen. Auf der Homepage vermittelt ein Imagefilm Eindrücke und auf dem Instagram-Account werden regelmäßig neue Fotos eingestellt.

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