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Ein Traum geht in Erfüllung

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Der Flug von der ugandischen Stadt Entebbe über Brüssel nach Frankfurt dauert etwa elf Stunden. Für Rogers Martin Ssebulime war es der erste Flug und die anstrengendste Reise seines Lebens. Als der 24-Jährige im März 2021 im Kolpingjugendhaus in Stuttgart, der ersten Station seines einjährigen Aufenthalts in Deutschland, ankam, zitterte er vor Kälte.
Nicht nur der krasse Gegensatz zur afrikanischen Hitze machte den Unterschied. Auch die Corona-Situation in Deutschland empfand Rogers kritischer als in Uganda. In Stuttgart angekommen musste Rogers und seine Friedensdienst-Kollegin Angel gleich in Quarantäne. „In Deutschland sind die Corona-Regeln viel strenger als in Uganda“, stellte Rogers fest. Er war traurig, fror und hatte Heimweh. „Mir blieb keine Wahl. Hier zu sein ist trotzdem ein Geschenk.“

Familienmitglied

Seinen Deutsch-Sprachkurs in Tübingen beschreibt er als „spannend, intensiv und hilfreich“. Der Umzug nach Neckarsulm verlief reibungslos. In der Astrid-Lindgren-Schule im Neuberg wurde ihm ein Zehnjähriger mit Behinderung anvertraut, den er seitdem betreut. „Mit dem Jungen und in der Schule habe ich in besonderer Weise den Wert jedes menschlichen Lebens kennenlernen dürfen“, stellt Rogers fest.
Bei der Neckarsulmer Familie Gärtner hat Rogers nicht nur ein Dach über dem Kopf bekommen, er ist auch gastfreundlich aufgenommen und zu einem Familienmitglied geworden.

Kultur

Rogers gibt zu, dass für ihn nicht nur die deutsche Sprache sondern auch das Essen anfänglich gewöhnungsbedürftig war. „In Uganda essen wir vorwiegend Gemüse, Obst und Fleisch, überhaupt keine Nudeln, Reis oder Salat.“ Und wie schmeckt ihm jetzt das deutsche Essen? Rogers wiegt nachdenklich mit dem Kopf. „Ich mag fast alles, außer Sauerkraut und Kartoffelpüree.“ Und dann ist da noch das Problem mit der deutschen Pünktlichkeit: „Hier geht alles auf die Minute. Das bin ich überhaupt nicht gewohnt.“ Rogers ist aber in seinem Gastland heimisch geworden. „Mich bestärkt das Motto des weltkirchlichen Friedensdienstes: mitbeten, mitleben, mitarbeiten. Mich erfreuen die Menschen, denen ich in meiner Gastfamilie, in der Schule, in Neckarsulm und sonstwo begegne.“
Rogers kann der deutschen Lebensweise inzwischen viel abgewinnen. „Ich habe gelernt, meine Zeit zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. Das kannte ich von Zuhause nicht.“ Was er ein bisschen vermisst ist eine gewisse Spontanität. „Die Leute hier sind distanzierter im Umgang miteinander als in Uganda.“ Schließlich konnte er schon mehrere deutsche Regionen kennenlernen. Positiv stellt der Ökonomie-Student fest: „Hier kann man relativ sicher leben. Alles in Deutschland ist ordentlich, sauber und gepflegt.“ „Ich habe in der Astrid-Lindgren-Schule bisher viel gelernt“, sagt Rogers. Anfangs sei es ihm nicht leicht gefallen mit dem zehnjährigen Jungen und seiner Behinderung umzugehen. „Ich hatte zuvor noch nie einen Fremden zur Toilette begleitet.“ Jetzt mache ihm das nichts mehr aus.
 

Pläne für den Beruf

Im nächsten halben Jahr hat Rogers noch einige Städte- und Länderreisen geplant. Wohin sein beruflicher Weg führen wird, weiß er noch nicht. Während der Sommerferien macht er ein Praktikum in einem Neckarsulmer Unternehmen der Haus- und Gebäudetechnik. Vielleicht legt er damit den Grundstein für seine berufliche Zukunft in Uganda. Doch zunächst freut sich Rogers Martin Ssebulime in Neckarsulm leben und arbeiten zu dürfen. „Ich habe meinen Traum wahr gemacht.“
 
 
 
 
 
 

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