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„Mach doch mal was G´scheids!”

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Diese jungen Menschen aus der Region hängen nicht bloß den ganzen Tag am Handy herum, wie viele gängige Vorurteile lauten. Sie sind kreativ, haben große Ideen und noch größere Träume. Wir stellen sie vor und sprechen mit ihnen darüber, welche Inspiration und welchen Einfluss social Media auf die heutige Kunstszene hat.

 

Der Individualist

Marvin Miller, 17, Ilsfeld

Die Generation Z - keine Ziele, keine Ambitionen und viel zu viel Bildschirmzeit. Marvin Miller hört diese Vorurteile nicht zum ersten Mal. „Man sollte nicht alle in eine Schublade stecken“, findet der 17-Jährige. Denn soziale Medien wie TikTok, Instagram und Co. müssen nicht nur für stumpfen Konsum genutzt werden, sondern stellen einen riesigen Speicher an Informationen und vor allem Inspiration bereit. Und so kam Marvin zum Beispiel auf die Idee, die Holzreste aus der elterlichen Scheune in coole Möbel und Zimmerdekoration zu verwandeln.

Warum? Die Einrichtung aus dem Möbelhaus passte dem Individualisten nicht gut genug zum rustikalen Charme seines Zimmers. Und wieso viel Geld ausgeben, wenn es so doch viel besser geht. Doch für den Ilsfelder hat Kreativität nicht nur praktische Gründe. Denn egal, ob er Kleider aus Omis Sammelsurium in originelle Vintage-Pieces upcycelt, selbst Schmuck herstellt oder sich zusammen mit seiner Freundin der Malerei widmet - den ganzen Tag nur rumsitzen ist nichts für ihn. Für Marvin ist Kreativsein ein Ausdruck seiner Persönlichkeit, und so kommt er vor lauter Inspiration gar nicht mit all seinen Projekten hinterher.

Vor gut einem Jahr hatte er noch ganz und gar nicht mit seiner Begeisterung für die Kunst gerechnet. „Ich wollte in die Technik-Richtung gehen.“ Heute sieht das anders aus. Denn obwohl die „brotlose Kunst“ nicht die sicherste Berufswahl ist, kann Marvin sich gut vorstellen, später einmal einen kreativen Job auszuüben. Und was? Darüber muss sich der Zwölftklässler noch Gedanken machen. Seine konkrete Passion sucht er noch und probiert sich dabei durch viele verschiedene Stile, Materialien und Medien durch. Aber eines steht fest: Kreativ will er auf jeden Fall auch in Zukunft bleiben.

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Die Aufgeschlossenen

Emilia Amico, 16, Untergruppenbach; Jeremias Karavelidis, 17, Ilsfeld; Felix Utz, 17, Ilsfeld; Marvin Schäfer, 17, Ilsfeld; Lara Pitzke, 16, Flein.

Vor gut einem Jahr gründeten Emilia, Jeremias, Felix, Marvin und Lara die Band. Zunächst zu zweit, dann zu dritt und schließlich in der klassischen Rockband-Besetzung, bestehend aus Gitarren (Emilia und Marvin), Schlagzeug (Felix), Gesang (Lara), und E-Bass (Jeremias). Als Band spielen sie alles - von Pop-Covern bis hin zu Rock-Songs, die weit vor ihrer Zeit entstanden sind. Doch die fünf geben den „eingestaubten“ Hits ihren ganz eigenen, modernen Touch und schreiben teilweise sogar ganz eigene Songs. Die Lyrics sind meist gesellschaftskritisch, aber es geht auch um Emotionen. Dinge, die junge Leute beschäftigen. „Es ist ja nicht so, als würden Jugendliche nichts für die Kunstszene tun“, sagen die Bandmitglieder.

Ein großer Teil der Konsumentinnen und Konsumenten von Film und Musik stammt nun mal aus unserer Generation, und deshalb ist es der Band wichtig, genau diese Menschen anzusprechen. Musik von jungen Leuten für junge Leute. Und dafür bekommen „Current“ viel positives Feedback von Gleichaltrigen. Die Reaktionen reichen von Fragen zum Musikstil der Band bis hin zu großer Begeisterung und Komplimenten. Viel öfter müssen sie sich jedoch vor allem von Erwachsenen die altbekannten Kommentare anhören: Vom allgemeinen Kleinreden („Das ist doch auch nur wieder ‘ne Phase”, „Mach doch mal was G´scheids”) können die Musiker und Musikerinnen im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen.

Doch was entgegnet man am besten auf solche Äußerungen? Einfach dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen. Ganz nach dem Motto: „Man lebt ja für sich.” Das heißt natürlich trotzdem nicht, dass Current nur für sich selbst Musik machen. Die Band spielt auf Events und kleineren Festivals im Heilbronner Umland. Aber auf den sozialen Netzwerken wie Instagram und neuerdings auch YouTube ist die Gruppe vertreten. Einerseits biete das Internet eine wahnsinnige Chance für junge Künstler und Künstlerinnen, ihre Projekte zu teilen und somit neue Menschen zu erreichen. Andererseits steigen das Vergleichspotential und die eigene Erwartungshaltung an die eigene Kunst extrem an. Trotzdem ist die Band überzeugt: „Man muss mit der Zeit gehen.“ Auf die Frage, was sie Jugendlichen, die ein kreatives Projekt starten wollen, mit auf den Weg geben würden, antworten sie: „Man muss für alles offen sein und darf sich nicht einschüchtern lassen. Einfach machen und Spaß haben - darauf kommt es an!”

Instagram

 

Youtube

 

 

Die Allrounderin

Lilli Zenth, 16, Abstatt

Zeichnen und Malen, Fotografieren, Schreiben, Musik - es gibt kaum ein kreatives Hobby, das Lilli Zenth nicht ausführt. Schon von klein auf ist die 16-Jährige eine begeisterte Künstlerin, und auch außerhalb der Kunst sind ihre Interessen vielfältig. Denn Lilli engagiert sich auch politisch an ihrer Schule, ließ sich als Schülersprecherin aufstellen und war für Umweltthemen zuständig. Außerdem produziert sie ihr eigenes Magazin „apple tart zine“, in dem sie vor allem Feminismus thematisiert.

Die Idee manifestierte sich vergangenes Jahr, als sie im Internet auf die subkulturelle feministische Bewegung „Riot Grrrl“ aus der Punk-Szene der 90er Jahre stieß. „Eigentlich kommt meine Inspiration irgendwo von überall, aber zum Beispiel aus den Büchern, Filmen und der Mode der Vergangenheit und besonders der 90er. Gerade Filme wie „The Virgin Suicides“ inspirieren meine Ästhetik“, sagt Lilli. Die Gestaltung und Inhalte ihres Magazins, von dem bisher drei Auflagen erschienen sind, übernimmt sie selbst. Meist handelt es sich dabei um gesammelte Texte oder solche, die sie extra für das Magazin aus Themen, die ihr wichtig sind, geschrieben hat.

Alle zwei Monate würde die Abstatterin gern ein neues Magazin rausbringen. Wenn die Motivation stimmt, braucht sie für den ganzen Prozess teilweise nur zwei Wochen. Auch das Kopieren und den Verkauf übernimmt sie selbst, obwohl sie noch zur Schule geht, Tanztraining nimmt und vier Instrumente spielt. Auf die Frage, wie sie das alles schaffe, sagt Lilli: „Meine Motivation kommt aus der Überzeugung, dass man seine Stimme nutzen muss. Ich will einfach meine Gedanken verbreiten. Als introvertierte Person, die nicht bei der Demo in der ersten Reihe steht, fühlt es sich für mich organischer an, meine Meinungen in Texten und Gedichten niederzuschreiben.“ Dabei setzt sie sich keine klaren Vorgaben, sondern schreibt oder malt einfach drauf los, wenn die Inspiration kommt. Nächtelang verbringe sie deshalb Zeit mit der Kunst, denn so sei es für sie am authentischsten. Mit dem Blick auf die Zukunft würde die Gymnasiastin gern in der „kreativen Schiene“ bleiben. Vielleicht möchte sie später Journalismus studieren. „Im Moment halte ich mir aber alles frei“, sagt Lilli.

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