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Zwischen Priorität und Kompromiss

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Eineinhalb Monate vor der Bundestagswahl nehme ich mir vor, mich intensiv vorzubereiten. Denn selten war eine Wahlentscheidung so wichtig wie jetzt. Aber wo fange ich an? Im Internet finde ich Ratgeber, die bei der Vorbereitung hilfreich sind. Durch eine einfache Google-Suche („Wen soll ich wählen 2021?“) finde ich Step-by-Step-Orientierungshilfen.

Erste Schritte

Welche Themen sind mir persönlich wichtig, was beschäftigt mich? Damit setze ich mich jetzt auseinander. Für mich haben beispielsweise Klimaschutz und Gleichberechtigung eine hohe Priorität. Also schaue ich mir an, welche Parteien sich wie positionieren und welche Einstellung sie vertreten. Dafür reicht meist ein Blick auf ihre Website, aber auch die „Tagesschau“ oder „Mitmischen“ haben gute Zusammenfassungen der Ziele und Anliegen der Parteien erstellt. Schon daran kann ich feststellen, wie kompatibel ich mit den einzelnen Parteien bin. Da ich mich leider nicht mit allen Parteien befassen kann, die zur Wahl stehen, habe ich mich auf die sechs großen beschränkt, die bereits im Bundestag sitzen.

Da mir dieser Schritt allein noch nicht reicht, muss etwas Genaueres her. Im Internet gibt es zahlreiche Tests wie den Wahl-O-Mat oder DeinWal, die durch konkrete politische Fragen Parteien vorschlagen, die meine Ansichten am besten vertreten. Allerdings weiß ich auch: Solche Tests sollten als Tendenz gesehen werden und nicht ausschlaggebend für eine Entscheidung sein. Außerdem geht es bei den meisten Tests um alle politischen Themen. Und da ich mich für einige davon mehr interessiere als für andere, ist es schwierig, sich immer eine differenzierte Meinung zu bilden. Weil ich mich bei manchen Themen nicht detailliert auskenne, bin ich mir nicht sicher, welche Auswirkungen meine Entscheidungen hätten.

Schwierige Entscheidung

Also habe ich mich entschieden, mich durch die Wahlprogramme aller Parteien zu arbeiten, die es glücklicherweise auch immer als Kurzfassung gibt. Eigentlich sollten die großen Ziele der Parteien und deren Umsetzung hier auf den Punkt gebracht werden. Allerdings fällt mir beim Durchlesen häufig auf, dass viel mit Parolen gearbeitet wird, aber wenige echte Lösungsansätze geboten werden. An den Programmen kann ich immerhin sehen, wie intensiv sich die Parteien mit den Themen beschäftigen, die mir am Herzen liegen  –  oder eben nicht. Auch das hilft mir bei meiner Entscheidung. Und oft werden wichtige Themen gar nicht erwähnt, was mich persönlich ziemlich enttäuscht.

Trotzdem muss ich mir eingestehen, dass ich bei fast allen Wahlprogrammen Punkte finde, denen ich zustimme, auch wenn es mir manchmal gar nicht so richtig passt. Und ich merke auch, dass ich mit einigen Ansichten meiner favorisierten Parteien nicht übereinstimme. Das erleichtert mir meine Wahlentscheidung nicht unbedingt.

Rund zwei Wochen vor der Wahl weiß ich, wen ich wählen werde. Es war keine einfache Entscheidung, und so richtig überzeugt bin ich von keiner Partei. Aber ich weiß, welche Kompromisse ich eingehen kann  –  und welche Themen mir dafür zu wichtig sind.  

 

Nachgefragt: 

Wir haben die Bundestagskandidatinnen und -kandidaten gefragt, was ihre Parteien für Jugendliche geplant haben.

Hier findet ihr die Antworten. 

                

 

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